Montag, 5. Oktober 2009

Äpfel und Birnen…

… kann man nicht vergleichen, so lehrt das Sprichwort. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Betriebssysteme unterschiedlicher Natur verglichen werden. So geschehen jüngst in onlinekosten.de. Dort wurde ubuntu mit dem Marktführer aus Redmond zumindest indirekt gegenübergestellt. Der Test war zwar erfreulicherweise relativ neutral und der Tester „offen“ für Linux – dennoch unterblieben nicht die Vergleiche, die man nicht „gewinnen“ kann – so sieht Gnome in ubuntu nicht so aus wie die GUI von Microsoft (ganz davon abgesehen das KDE und XCFE noch mal anders aussehen UND natürlich ihr Aussehen verändern können in einem für „normale“ Windowsnutzer ungeahnten Maße).

Hardwareunterstützung unter Linux

Bleibt der große Kritikpunkt mit der Hardwareunterstützung. Das ist auch wirklich ein Punkt, den man nicht außer Acht lassen darf – sehr exotische Hardware, das neuste vom neuen und antike Museumsstücke machen gerne Probleme, aber manchmal auch „Standardbauteile“ auch namhafter Hersteller. Hier ist eine Verbesserung dringend nötig – aber es liegt eben nicht nur an Linux, diese Situation zu verbessern – denn es ist extrem schwer, ohne Unterstützung des Hardwareherstellers im reverse engineering herauszufinden, wie ein Treiber gestaltet sein muss, um mit dem Gerät unter Linux zu funktionieren. Hier leisten populäre Distributionen wie openSuse, ubuntu und Debian durch ihre Verbreitung und den dadurch entstehenden Marktanteil, das Hersteller beginnen ihre Strategie zu ändern und Treiber anzubieten oder gar ihre Standards offen zu legen.
Dennoch gibt es auch immer wieder neue „Stolpersteine“, wenn z.B. Hersteller bestimmter Grafikkarten verhindern, das ihre Produkte mit denen der Konkurrenz zusammenarbeiten – das wäre in „offenen“ Treibern bestimmt nicht lange der Fall, und wenn ich eine solche Strategie fahre um meine technische Überlegenheit zu schützen, kann es mit letzterer nicht weit her sein. Das sind in meinen Augen Taschenspielertricks.

Hardwareunterstützung, die zweite (Was tun, wenn ich es kann?)

Je mehr „Pinguine“ auf verschiedenster Hardware ihren Lebensraum erkämpfen, um so mehr sehen sich die Hardwarehersteller genötigt, diesen Lebensraum so zu gestalten das er „einfacher“ wird. Von daher hilft es nichts, sich tagelang (eher nächtelang) mit trouble shooting zu befassen und danach läuft das entsprechende Teil. Hier ist noch nicht der Punkt erreicht, bei dem man mit sich zu frieden sein kann. Schritt 2 ist das multiplizieren des Wissens – was könnte sich besser eignen als das Internet? Ein eigener Blog, die eigene Webseite sind schon ganz nett – aber um wirklich solche Dinge unter die Linuxanwender zu bringen, eignen sich die entsprechenden zentralen Anlaufstellen. Ubuntuusers.de z.B. bietet sich für die Anwender von canonicals debianderivat ubuntu an – hier kann man im entsprechenden Wiki das „how to“ veröffentlichen, und es so allen zugänglich machen, die auch ein derartiges Problem belastet.
Zu guter letzt – egal ob die Hardware mit gefrickel läuft oder nicht, ist es sinnvoll dem Hersteller des Produktes darauf aufmerksam zu machen, das sein Gerät unter Linux zu Problemen führt – wenn man sie hat hängt man die Lösung in der Mail an. Nur so sensibilisiert man auch die Hersteller. Wenn in der Woche mehrerer solcher Mails aus allen Teilen der Welt ankommen (würden), muss die entsprechende Firma schon sehr dickfellig sein, wenn es nicht zumindest irgendwann einmal auch dort thematisiert wird. Leider ist das natürlich noch lange keine Erfolgsgarantie.

Unter Windows läuft alles besser

Ich sage das ist nicht so. Unter Windows gibt es meist bessere Treiber. Wenn ich aber versuchen müsste, einen Rechner ohne Treiber zum laufen zu bekommen – ich würde es lieber mit Linux versuchen, und das ist ein Erfahrungswert. Aber hier vergleicht man schon wieder – ich nutze Linux weil es „offen“ ist, im Sinne von quelloffen, offene Standards und weil es „frei“ ist, nicht zu letzt im doppelten Wortsinn. Ich halte es nicht für technisch überlegen, auch wenn ich Zweifel an der Überlegenheit von Windows habe.
Anders gesagt, ich würde Linux nutzen auch wenn es deutlich „schlechter“ als Windows wäre – allein weil ich es mag. In diesem Sinne – übrigens, auch wenn ich Saft pur trinke, habe ich mir sagen lassen das Apfelsaft besser schmeckt, wenn die eine oder andere Birne mit verkeltert wurde – fragen sie mal die Mosterrei ihres Vertrauens. Man kann also durchaus mischen, was man nicht vergleichen kann. Grub und Parallelboot bzw. eine Saftpresse machen es möglich.

Referenzlinks:
http://www.onlinekosten.de/news/artikel/36060/0/Linux-vs-Windows-Windows-Nutzer-testet-Ubuntu
http://ikhaya.ubuntuusers.de/2009/09/30/ubuntu-wochenrueckblick-2009-39-1696/
http://ubuntuusers.de/

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